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Durch den Besuch von Kindern aus Weißrussland in unserer Familie wurden wir auf die Not in der Region Gomel aufmerksam. Um nicht nur Kindern in Bochum einen Aufenthalt zur Erholung zu bieten, entschlossen wir uns, die Hilfe zur Selbsthilfe im eigenen Land zu unterstützen und ein Freienprojekt in der Diözese Witebsk (Weißrussland) mit zu fördern. Nicht immer können Kinder weite Reisen unternehmen. Für viele Familien sind die anschließenden Auseinandersetzungen mit den Wünschen der Kinder nach Erholungsaufenthalten im Ausland ein großes Problem. Das versuchen wir mit Inlandferien auszugleichen. Mit in unsere Hilfe fällt auch das Zentralfrauengefängnis in Gomel. Die Versorgung mit Hygieneartikeln für die Mädchen und Frauen, die dort einsitzen und die Hilfe für deren Säuglinge und Kleinkinder im Gefängnis.
Alle begann mit einer Idee, einem Gedanken, eigentlich einem Zeitungsschnipsel
Im Frühjahr 1996 lasen wir eine Annonce in der Zeitung. „Gastfamilien gesucht!“, hieß es da, für vier Wochen sollte es sein, in den Ferien. Na gut, das konnte ja nicht so schwer sein. Wir, das heißt, die Familie Gornik, hatte sich ja schon mehrmals als Gastfamilie bewiesen. Der Schüleraustausch der Kinder jedes Jahr und der evangelische Kirchentag zum Beispiel, wo wir sechs junge Frauen eines Chores aus dem ehemaligen Jugoslawien beherbergten. Viel anders würden solche Kinderferien ja auch nicht ablaufen. Also, gesagt – getan. Der Familienrat entschied, sich auf die Annonce der „Kinderhilfe Bochum“ zu melden. Der erste Gasteltern-Abend kam und wir wurden auf die Kinder vorbereitet. Wir lernten ein bisschen über das Land aus dem die Kinder kommen sollten, Weißrussland. Jeder, der dort saß, konnte sich noch gut an den Reaktorunfall in Tschernobyl erinnern. Er jährte sich damals zum zehnten Mal. Wir hatten uns entschieden, zwei Kinder zu uns einzuladen. Zwei Kinder, die 3.500 Kilometer entfernt von zuhause, ganz allein, in eine völlig fremde Gastfamilie geschickt wurden, wie 28 andere Kinder auf dieser Reise ebenfalls. Aber zu zweit ist ja bekanntlich vieles einfacher. Und dann war es endlich so weit – die 30 Kinder stiegen an jenem Morgen aus dem Reisebus auf einem Schulhof in Bochum. Alle waren müde und geschafft, von der 40-stündigen Busfahrt. Einige hatten Koffer dabei – andere nur ein paar Plastiktüten. Aber alle waren glücklich, endlich angekommen zu sein. Die Kinder wurden zu ihren Gastfamilien gebracht und die Ferien konnten beginnen. Zu uns kamen Dima und Marina, zwei zwölfjährige Kinder, die ganz normal, wie andere Kinder auch, spielten, lasen, unaufhörlich erzählten und die Ferien genossen. Nach der ersten Woche wurde noch ein drittes Bett im Gästezimmer aufgestellt. Anton kam zu uns. Ein ebenfalls zwölfjähriger Junge, der in seiner Gastfamilie nicht bleiben konnte. Auch er war ein ganz normales Kind, erzählte viel von seiner Familie und lernte in den vier Wochen Ferien das Fahrrad fahren von uns. Durch die Erzählungen der Kinder, wuchs in unserer Familie der Wunsch, auch einmal einen Gegenbesuch in Weißrussland zu machen. Natürlich hatten wir das den Kindern zum Abschied nach vier Wochen auch versprochen. Aber – würde es wirklich dazu kommen? Wir erfuhren in einem Treffen der Kinderhilfe, dass es jemanden gab, der Busreisen nach Weißrussland organisierte. Also wurde der Gegenbesuch im Oktober 1997 doch Wirklichkeit. Nachdem der Ablauf der Reise für uns bekannt war, wurden noch schnell ein paar Vorbereitungen getroffen. Auf dem Reiseplan stand unter anderem die neue Kinder-Krebs-Klinik in Minsk zu besuchen. Also wurden Kuscheltiere für die Kinder gesammelt und palettenweise Schokolade besorgt. Und so machten wir uns zu dritt – Mechthild, Patricia und Regina – voll bepackt mit sieben Koffern, mit dem Reisebus auf den Weg nach Weißrussland. Die 40-stündige Autofahrt führte uns durch Polen direkt nach Weißrussland. Endstation war Minsk, die Hauptstadt des Landes. In den zehn Tagen, die wir dort verbrachten, waren wir bei allen drei Kindern zu Gast. Wir konnten selbst sehen, wie sie dort leben. Unsere Reise führte uns aber auch in abgelegene Orte, näher an der Sperrzone um den Atomreaktor von Tschernobyl, der gleich hinter der Grenze zur Ukraine liegt. Dort besuchten wir ein Kinderheim. Was wir sahen, hat uns erschüttert. Die Kinder wurden mit dem Möglichsten versorgt, doch das war nicht viel. Für 350 Kinder gab es drei Toiletten, für die Lehrer und Betreuer gab es nur eine. Die Verstrahlung in diesem Gebiet war sehr hoch, so dass den Kindern dort keine hohe Lebenserwartung bevorsteht. Auch der Besuch in der Kinder-Krebs-Klinik in Minsk berührte uns sehr. Die Klinik ist auf dem neusten Stand, neu gebaut mit finanzieller Hilfe von Österreich, Italien und Deutschland. Die Räume sind hell und freundlich gestaltet. Aber es gab für die Kinder keine Beschäftigungsmöglichkeiten, kein Spielzeug. Auch die Zahl der Jugendlichen und Kleinkinder, die mit schweren Krebsleiden in der Klinik lagen und teilweise nur noch wenige Tage oder Stunden zu leben hatten, war erschreckend hoch. Aufgewühlt fuhren wir nach zehn Tagen wieder nach Hause. Wir hatten viel gesehen und viele Emotionen erlebt bei diesem Besuch. Nachdem wir unsere Erlebnisse unseren Freunden und Bekannten erzählt hatten, entschieden wir uns: „Da muss man doch etwas machen können.“  
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